Vom Problem der Wertkonservativen

Das Problem mit den Konservativen ist natürlich dass es zwei Formen davon gibt: die Wertkonservativen und die Interressen-Konservativen. Letztere geben ein Verständnis für Werte nur vor um davon abzulenken dass es ihnen um die nackten finanziellen Interessen geht. (Den gleichen Typ gibt es natürlich auch bei den Linken: Z.B. wenn Wirtschaftsminister Lobbyisten der Energiekonzerne sind). Und es gibt witzige Fehlleistungen wenn sich die Grenzen einmal verwischen. . Manchmal machen aber auch die Interessen-Konservativen Fehler und schlagen was vor was ihnen nicht bekommt. Beispiel: ReichsHauptMutter von der Leyen und ihre Testkäufe von Alkohol durch Kinder. Das war ein krasser politischer Fehler von ihr: denn das KOSTET die Industrie richtig wenn man es machen würde. Das wäre nämlich ein Wertkonservativer Ansatz: kein Alkohol an Kinder - durchgesetzt durch das Prinzip "Furcht vor spontaner Kontrolle". Das mögen unsere Politker gerne wenn es gegen den Bürger geht (Beliebtest Beispiel ist die spontane Radarfalle oder das unbeobachtete Ausschnüffeln der Festplatte durch den Bundestrojaner). Das mag aber die Industrie gar nicht wenn es gegen ihre Interessen geht. Leyens andere Vorschläge sind ja voll auf der Linie der Industrie (Vorschule für alle da Arbeitskräftemangel droht).

Und das ist halt das Problem mit den Wertkonservativen: wenn es wirklich ernst wird, dann werden sie von den andern "Konservativen" niedergeschlagen. Religiösität gehört m.E. ebenfalls zu diesem Problemkreis. Religiosität ist strenggenommen etwas anti-kapitalistisches, revolutionäres angesichts der herrschenden Verhältnisse (frühe Christen etc.). Leider nur werden die Religiösen so gerne instrumentalisiert...

Es stimmt schon dass mich diese Fragen umtreiben wenn ich die Realität betrachte und mit den Medienberichten vergleiche. Manchmal - selten genug - schaut sogar noch in unseren Medien die Wahrheit durch: widerwillig, wie Spargelfelder die zugepflastert wurden und sich dennoch ab und zu ein Kopf durch eine Ritze bohrt...

Da einigen sich Post und Minister auf Mindestlöhne - gering genug um als Familie überhaupt leben zu können. Da heulen die Konkurrenten auf weil Mindestlöhne angeblich die Konkurrenz unmöglich machen. Heisst also: das Businessmodell der Konkurrenten ist auf nackter Ausbeutung beruhend und in der Folge als Zerstörung der Familien wie wir sie so gut aus den USA kennen. (Auch ich als völlig religionsloser sehe einen grossen Wert in funktionierenden Familien die jedoch vom Kapitalismus zunehmend zerstört werden. Wir werden auch die Sonntagsarbeit noch hier bekommen, um die Mütter und Kinder scheisst sich von den Lobbyisten niemand. "Wollt ihr den totalen Konsum?")

Was mich nervt is die völlige Kritiklosigkeit der BWLer. Wenn schon die Informatiker die Gesellschaftskritik vorantreiben müssen.... Aber wenigstens kennen wir die Kybernetik, die Lehre von den Zusammenhängen und Rückkopplungen und das macht uns automatisch kritischer wenn wir darüber nachdenken.

Es gäbe noch so viel zu diskutieren. Anfang Dezember kommt der Christian Pfeiffer - Ex-Minister, Kriminologie und Medienforscher (Medien machen dick, dumm und traurig..) zu uns anlässlich MEta-Award und Games-Day. Bin schon sehr gespannt denn ich halte seine Thesen für sehr wichtig und fundiert (auch ein Wertkonservativer). Möchte ihn fragen was mit MTV los ist. Must du gucken, echt krass. Statt Musik dümmlichste Features (fällt mir kein anderer Name ein) in denen dunkelhäutige Schlampen um einen Schwarzen "Star/Gängsta" kämpfen und mir einfach nicht mehr klar ist ob das Satire, Verarsche oder "collaborative TV" ist? Welche Rolle spielt diese Imagebildung heute für die Jugend? Ist das Protest gegen ein immer dümmeres Privatfernsehen? Gegen die Wirtschafts-Yuppies? Oder einfach nur doof?

Der Schweizer Wirtschaftsethiker Ulrich hat kürzlich gesagt dass der gesamte Produktivitätsfortschritt der letzten 15 Jahren in den westlichen Ländern AUSSCHLIESSLICH den Kapitalbesitzern und dem Top-Management zu Gute gekommen ist. Der Mittelstand gerät immer mehr unter Druck und wir haben - dem Schröder sei Dank -auch wieder eine Unterschicht und - Kohl sei Dank -auch wieder die passende Unterhaltung für sie durch das Privatfernsehen. Wieder so etwas was die andere Sorte von "Konservativen" zu verantworten hat. Genauso wie die Anglikanisierung unserer Bildung. (Ja, meine Computer-Science Unterlagen sind und bleiben auf Englisch - know your enemy).